Ehrenamt bei der Hospizbewegung?
Wie kommt man darauf, sich auf so eine ehrenamtliche Aufgabe einzulassen, und warum sollte man das überhaupt tun? Was ist das Besondere an der Arbeit als ehrenamtlicher Sterbe- oder Trauerbegleiter bei der Hospizbewegung? Diese Fragen hören wir ehrenamtlichen Sterbebegleiter immer wieder. Versuchen wir hier einmal sie zu beantworten!
Fast alle unsere ehrenamtlich Mitarbeitenden haben eigene Vorerfahrungen gemacht hinsichtlich Krankheit, Sterben, Abschied, Tod und Trauer. Manche waren aber auch einfach neugierig auf das Thema „Sterben“ aus dem Bewusstsein heraus, dass wir uns alle damit auseinandersetzen müssen – irgendwann einmal.
Wenn Sie Sterbebegleiter werden wollen, stellen Sie sich unseren hauptamtlichen Koordinatorinnen in einem Kennenlerngespräch vor. Dort werden schon viele Fragen beantwortet und geklärt; die grundsätzliche Eignung wird auch besprochen. Danach dürfen Sie in einem Vorbereitungskurs nach dem sogenannten „Celler Modell“ mit anderen Interessenten die „Sterbebegleitung lernen“. Ja, tatsächlich muss und kann man vieles lernen, z. B. Phasen des Sterbeprozesses und der Trauer, Umgangsweisen mit Sterbenden, Kommunikation, aktives Zuhören und vieles mehr. Und man lernt ganz viel über seine eigenen Stärken und Kraftquellen; das Wissen braucht man, um dieser nicht einfachen und besonderen ehrenamtlichen Aufgabe nachgehen zu können.
Bei einer Sterbebegleitung besuchen wir den Schwerkranken oder seinen Zughörigen bei sich zuhause, im Pflegeheim oder auch im Krankenhaus. Wie oft und wie lange die Besuche stattfinden, wird genau besprochen, der Bedarf ist unterschiedlich. Ja, und bei der Begleitung selber geht es vor allem darum, sich als Begleiter Zeit zu nehmen, zuzuhören und zu spüren, was der von uns begleitete Mensch braucht. Braucht er Gespräch oder Ruhe, benötigt er einen guten Zuhörer, weil er noch manches „loswerden“ will, möchte er vielleicht Ablenkung oder vorgelesen bekommen? Immer stehen die Bedürfnisse und Wünsche des Sterbenden im Vordergrund. Als Begleiter schenken wir vor allem Zeit und sind da. Das Da-Sein ist das Wichtigste!
Ohne Empathie und Resilienz können wir unsere Arbeit nicht machen. Aber dafür werden wir bei den Sterbebegleitungen beschenkt durch viel Vertrauen und Offenheit. Manchmal sind wir bei den Sterbenden einer von wenigen noch verbleibenden Besuchern, manchmal können wir die Familie in der schweren Abschiedssituation unterstützen und beraten. Meistens sind wir vor allem Zuhörer.
Es ist für uns als Begleiter berührend, Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu erleben. Sie sind dicht bei sich und ihren Gefühlen, häufig sehr aufrichtig. Eine Sterbebegleitung zeigt uns Begleitern jedes Mal wieder, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Die intensiven Begegnungen kosten uns Begleiter manchmal Kraft, aber andererseits können wir genau daraus auch Kraft schöpfen. Es ist eine so sinnstiftende Aufgabe, Menschen auf ihrem Abschiedsweg zu begleiten; sie brauchen uns, und das ist das Wichtigste. (GR)